Was ist die Aussagekraft von Sendungsprotokollen?

Insbesondere die gewerblichen Kunden der großen Paketdienstleister beharren ja heute darauf, dass sie Einblick in die unmittelbaren Sendungsverfolgungsdaten der Dienstleister für die Nachverfolgbarkeit ihrer Waren bekommen. Diese Protokolle sind unterschiedlich gestaltet je nach Dienstleister, zeigen aber regelmäßig mit Datum und Uhrzeit die wesentlichen Abläufe innerhalb eines Transportes, oft schon angefangen mit der Auftragserteilung, jedenfalls aber mit der Warenübernahme bis zur Auslieferung.

Sieht man diese Protokolle allerdings im Detail durch, stellt man fest, dass für den Außenstehenden ihre Nachvollziehbarkeit äußerst begrenzt ist. Dort sind zum Teil auch Schnittstellen in den internen Abläufen aufgezeigt, aus denen man im 1. Moment eine Auslieferung folgern könnte, tatsächlich ist aber nur gemeint, dass z.B. eine Übergabe an den Auslieferungsfahrer erfolgte. Auch die tatsächliche Übergabe an den Empfänger ist häufig wenig deutlich, zumal wenn es sowohl das Datum gibt, zu dem der Auslieferfahrer z.B. das Lager verließ, zu dem er eingetragen hat, die Ware dem Empfänger übergeben zu haben und dann noch das Datum auftaucht, zudem diese Daten ins System hochgeladen wurden.

In Schadenfällen legen die Dienstleister häufig diese Protokolle zum Nachweis ihrer Ablauffeststellungen vor. Tatsächlich muss man aber wohl sagen, kann damit eine Beweiskraft nicht verbunden sein. Es ist kein Dokument, das auch noch einvernehmlich einen bestimmten Sachverhalt feststellt. Häufig sind die Systeme nicht validiert, damit also auch manipulierbar. Letztlich geben sie allenfalls Auskunft darüber, dass irgendeine Person eine bestimmte Eintragung vorgenommen hat, ob diese Eintragung aber richtig war, erschließt sich daraus noch nicht.

Trotzdem stellen diese Ablaufprotokolle ja eigentlich, wenn sie bestimmte zusätzliche Anforderungen erfüllen, deutliche Vereinfachungen in der Dokumentation eines Transportablaufes dar. Aus unserer Sicht macht es daher durchaus Sinn, sich zu überlegen, wie man diese Technik zu einer einvernehmlichen Dokumentation machen kann, die Schadensabwicklungen deutlich vereinfacht.

Marcus, Dr. M.C.L. Schriefers

Dr. Marcus Schriefers, M.C.L.

Dr. Marcus Schriefers ist Rechtsanwalt und Partner bei GvW Graf von Westphalen in Stuttgart. Er ist ein Experte für logistische Abläufe und die Supply Chain Gestaltung, also die Beratung zur Gestaltung von Lieferketten sowohl im Hinblick auf die Einkaufsabwicklung als auch die Logistik, jeweils weltweit.