Die Digitalisierung zentraler Planungs- und Genehmigungsverfahren im Wasserstoffsektor macht einen ersten sichtbaren Schritt: Mit dem Go-Live einer bundesweit nutzbaren digitalen Antragsplattform in Hamburg rückt die H2KI-Plattform erstmals vom Konzept in die behördliche Praxis.
Das Bundesdigitalministerium (BMDS) hat nach dem Zuständigkeitswechsel vom BMI die Gesamtkoordination übernommen und konkretisiert nun im Rahmen des Deutschland-Stacks die künftige digitale Infrastruktur für das Wasserstoff-Kernnetz. Begleitet wird dies von einer neuen Projektwebsite und einem Konsultationsprozess, die mehr Transparenz in das bislang vielfach unklare Gesamtvorhaben bringen sollen. Die H2KI-Plattform gilt dabei im BMDS als „Nukleus“ des Deutschland-Stacks.
Wie die Plattform ursprünglich angelegt war und welche Ziele sie erfüllen soll, hatten wir bereits in unserem Beitrag vom Januar 2025 eingeordnet: „KI-gestützte Plattform für beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren zum Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes“.
Zentraler Baustein bleibt die H2KI-Plattform, die die komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes vollständig digital abbilden soll. Das rund 9.000 Kilometer umfassende Leitungsnetz soll klimaneutralen Wasserstoff zu Industrie und Kraftwerken transportieren.
Hamburg arbeitete zunächst an einer ersten Version bis zum 15. November 2025 – allerdings nach Verzögerungen und funktionalen Kürzungen. Welche juristisch sensiblen Elemente hiervon betroffen sind, etwa Beteiligungsverfahren, Dokumentationspflichten oder die Nachvollziehbarkeit behördlicher Entscheidungen, blieb vorerst offen.
Digitale Antragsplattform seit Mitte November live
Seit dem 17. November können erstmals einzelne Pilot-Wasserstoffkernnetzbetreiber über eine neu entwickelte digitale Antrags- und Genehmigungsplattform Anträge für Wasserstoffkernnetzleitungen stellen. Pilotbehörden können diese Anträge vollständig digital bearbeiten.
Die Freie und Hansestadt Hamburg stellt diese bundesweit nutzbare Plattform auf Grundlage eines Verwaltungsabkommens mit dem BMDS bereit. Sie baut auf der OZG-EfA-Lösung „DiPlanung“ auf, die bereits in mehreren Bundesländern für Bauleitplanung und Raumordnung eingesetzt wird. Die neue Plattform bietet eine vollständig digitale Antrags- und Verfahrensführung und soll die gesamte Prozesskette spürbar beschleunigen.
Der Go-Live markiert den ersten Schritt zu einer bundesweiten Ende-zu-Ende digitalisierten, KI-fähigen Antrags- und Genehmigungsplattform für Wasserstoffleitungsprojekte. Das Projekt wurde durch das BMWE initiiert und aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert.
KI-Entwicklung des Bundes mit Verzögerungen – Integration wohl 2026
Parallel zur Plattform entsteht die bundesweite KI-Komponente im Rahmen einer Innovationspartnerschaft mit drei Unternehmenskonsortien (u. a. Deloitte, PwC und Google; Capgemini mit Aleph Alpha, Mistral und Demos). Sie soll perspektivisch „die Rechtsdogmatik aus verschiedenen öffentlichen Rechtsgebieten verstehen“, so das BMDS, und eigenständig Vorschläge für Genehmigungen oder Ablehnungen generieren.
Die Integration dieser KI in die Hamburger Plattform ist für 2026 vorgesehen. Rechtliche Fragen zu Transparenz, Ermessensausübung, Verantwortlichkeit sowie der Einbettung in die formellen Zulassungsverfahren sind jedoch weiterhin ungeklärt. Der ursprünglich avisierte Bereitstellungstermin Mitte Dezember 2025 gilt inzwischen als wenig realistisch.
Juristischer und föderaler Testfall für den Deutschland-Stack
Damit wird die H2KI-Plattform zum juristischen und technischen Testfall:
Kann die Verwaltungsdigitalisierung im Wasserstoffsektor tatsächlich Beschleunigung bewirken?
Und besitzt der Deutschland-Stack die rechtliche und föderale Tragfähigkeit, um eines der zentralen Infrastrukturvorhaben der Energiewende zu tragen?
Kritische Stimmen bemängeln bislang fehlende Verbindlichkeit, unklare föderale Koordinationsmechanismen sowie offene Betriebs- und Haftungsfragen. Der Konsultationsprozess sollte bis zum 30. November Impulse aus Wissenschaft und Wirtschaft einfließen lassen. Ob dies reicht, bleibt abzuwarten.
Ausblick
Die Genehmigungsverfahren für Wasserstoffleitungen sollen nur den Anfang bilden. Perspektivisch sollen weitere Antragsverfahren über die Plattform laufen – von Windenergieanlagen über Biogas-Raffinerien bis hin zu Energie- und Verkehrsinfrastrukturen.
Juliane Hofmann