GvW China Insider erscheint einmal monatlich als Kurznewsletter und richtet sich an China-Interessierte mit und ohne juristischen Vorkenntnissen. In jeweils fünf Kapiteln informieren wir in kurzen Blogbeiträgen über neue Entwicklungen und Trends oder allgemein Wissenswertes mit praktischer Relevanz aus den Bereichen Wirtschaft, Recht, Geschäftskultur und Alltagsleben in der Volksrepublik. Die Beiträge möchten unseren Leserinnen und Lesern kurz und prägnant aktuelles und praktisch relevantes Wissen im geschäftlichen Kontext näherbringen und gleichzeitig ein Bild von der aktuellen Stimmungslage in der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie bei den europäischen Unternehmen vor Ort in China vermitteln. Der GvW China Insider ist dabei von dem übergeordneten Motiv getragen, die in den letzten Jahren wieder wachsende Wissens- und Verständnislücke zwischen China und dem Westen nicht noch größer werden zu lassen.

Schätzungen der Vereinigten Nationen zufolge werden im Jahr 2023 ca. 310.000 chinesische Staatsbürger entweder als Asylsuchende oder als Flüchtlinge ihr Heimatland verlassen. (Quellen: UNHCR und RFE/RL)  Dies ist ein historischer Rekord. Ein Jahrzehnt zuvor zu Beginn von Xi Jinpings Amtszeit 2012 waren es nur rund 12.000 asylsuchende Staatsbürger. (Quelle: Safeguard Defenders

Es ist eine höchst besorgniserregende Entwicklung, dessen Ausmaß insbesondere an der Landesgrenze zwischen Mexiko und den USA deutlich wird. Dort haben Beamte im vergangenen Jahr 2023 mehr als 24.000 Chinesen beim illegalen Grenzübertritt festgenommen, mehr als in den letzten zehn Jahren insgesamt. (Quelle: NYT) Immer mehr Chinesen überqueren den Darién Gap zwischen Kolumbien und Panama, einer lebensgefährlichen Migrantenroute, die durch Sumpfgebiete und Regenwälder führt. Im Jahr 2022 wurde in Panama eine ungewöhnlich hohe Anzahl von 2000 Chinesen registriert, welche in den ersten drei Quartalen des Jahres 2023 explosionsartig auf 15.000 angestiegen ist. Nun stellen Chinesen die viertgrößte Migrantengruppe dar, die die US-Grenze erreichen. Entgegen den Erwartungen ist die Zahl der Migranten stark angestiegen, nachdem die chinesischen Behörden sämtliche Covid-Beschränkungen im Jahr 2023 aufgehoben haben.

Viele chinesische Migranten starten ihren Weg nach Amerika in Ecuador, einer der wenigen südamerikanischen Länder, die Chinesen eine visumsfreie Einreise erlauben, um danach zu Fuß durch Süd- und Zentralamerika zur US-Grenze zu gelangen und sich dort den Grenzbeamten zu stellen. Auf Douyin, der chinesischen Tiktok Plattform, gibt es sogar viele Tipps für Menschen, die diese Route auf sich nehmen wollen. (Quelle: The Diplomat)   Menschenschmuggler verlangen eine Gebühr von 5000 bis 56.000 US-Dollar, Quelle: APNews) woraus sich schließen lässt, dass es sich bei den chinesischen Migranten um solche handelt, die sich die hohe Gebühr leisten können und meist aus der Arbeiter- oder Mittelschicht stammen. Diese Menschen sehen angesichts der wirtschaftlichen Flaute, der zunehmenden Arbeitslosigkeitsquote und den politischen Umständen keine Zukunft mehr für sich und ihre Familie in China.

Diejenigen, die es nach Amerika geschafft haben hoffen, dass ihnen ein Bleiberecht als Asylant oder Flüchtling zugesprochen wird. 67 % der Asylfälle wird zugunsten von chinesischen Migranten entschieden. (Quelle: TRAC)
Damit sind Chinesen erfolgreicher als die meisten anderen Nationalitäten. Grundlage für Asylanträge sind in vielen Fällen Menschenrechtsverletzungen wie die Verletzung der Meinungsfreiheit oder die Verletzung der Religionsfreiheit. In Fällen, wo der Asylantrag abgelehnt wurde, ist eine drohende Abschiebung unwahrscheinlich.

Neben den Vereinigten Staaten sind Kanada, Australien, Europa und Südostasien beliebte Ziele, da sich dort bereits viele Auslandschinesen niedergelassen haben und ein Kontaktnetzwerk existiert. Für viele Chinesen sind in Europa Deutschland, Frankreich und Spanien begehrte Länder, um einen Neuanfang zu wagen. Chinesen nehmen dafür meist die Balkanroute, die in Serbien startet. Grund dafür ist die Möglichkeit der visumsfreien Einreise nach Serbien.

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Ein Blick auf unseren Schreibtisch

Bei einem Geschäftsessen in Deutschland wird die genaue Sitzordnung oft spontan gestaltet. In China wird dies allerdings nicht dem Zufall überlassen, denn für die Sitzordnung gibt es in den meisten Fällen klare Regeln, die jedoch für Ausländer ziemlich kompliziert erscheinen können.

Geschäftsessen in China finden oft in einem privaten Zimmer bzw. in einem räumlich abgetrennten Bereich im Restaurant statt und gegessen wird an einem runden Tisch. Die Sitzordnung bestimmt sich nach der Hierarchie, was in China ohnehin eine sehr bedeutende Rolle spielt. Der Ranghöchste bzw. der Gastgeber sitzt am weitesten von der Tür entfernt mit Rücken zur Wand und mit Blickrichtung zur Tür, sodass er alles gut überschauen kann. Dieser bestellt nämlich die Speisen und eröffnet das Essen. Die Plätze direkt neben dem Gastgeber ist für die wichtigsten (ranghöchste) Gäste reserviert. Personen, die sich hierarchisch unter dem Gastgeber befinden, arrangieren sich um ihn herum in absteigendem Rang, wobei die Rangniedrigsten näher an der Tür sitzen. Derjenige, der den Gastgeber bei den organisatorischen Dingen des Geschäftsessens unterstützt, sitzt am nächsten zur Tür, sodass dieser mit den Restaurantbediensteten besser kommunizieren kann.

Wer sich nicht sicher ist, wo er sich hinsetzen sollte, wartet am besten darauf, dass ihm der richtige Platz zugewiesen wird. Generell ist zu raten, sich zurückzuhalten und auf Anweisungen der Gastgeber zu warten. Dies gilt nicht nur bei der Sitzplatzfindung, sondern auch bei Beginn und Abschluss des Essens.

China für Fortgeschrittene

Bei einem Geschäftsessen in Deutschland wird die genaue Sitzordnung oft spontan gestaltet. In China wird dies allerdings nicht dem Zufall überlassen, denn für die Sitzordnung gibt es in den meisten Fällen klare Regeln, die jedoch für Ausländer ziemlich kompliziert erscheinen können.

Geschäftsessen in China finden oft in einem privaten Zimmer bzw. in einem räumlich abgetrennten Bereich im Restaurant statt und gegessen wird an einem runden Tisch. Die Sitzordnung bestimmt sich nach der Hierarchie, was in China ohnehin eine sehr bedeutende Rolle spielt. Der Ranghöchste bzw. der Gastgeber sitzt am weitesten von der Tür entfernt mit Rücken zur Wand und mit Blickrichtung zur Tür, sodass er alles gut überschauen kann. Dieser bestellt nämlich die Speisen und eröffnet das Essen. Die Plätze direkt neben dem Gastgeber ist für die wichtigsten (ranghöchste) Gäste reserviert. Personen, die sich hierarchisch unter dem Gastgeber befinden, arrangieren sich um ihn herum in absteigendem Rang, wobei die Rangniedrigsten näher an der Tür sitzen. Derjenige, der den Gastgeber bei den organisatorischen Dingen des Geschäftsessens unterstützt, sitzt am nächsten zur Tür, sodass dieser mit den Restaurantbediensteten besser kommunizieren kann.

Wer sich nicht sicher ist, wo er sich hinsetzen sollte, wartet am besten darauf, dass ihm der richtige Platz zugewiesen wird. Generell ist zu raten, sich zurückzuhalten und auf Anweisungen der Gastgeber zu warten. Dies gilt nicht nur bei der Sitzplatzfindung, sondern auch bei Beginn und Abschluss des Essens.

China erklärt von einem Laobaixing

Laobaixing (auf Chinesisch „老百姓“) ist ein traditioneller Begriff, um einen chinesischen Durchschnittsbürger zu bezeichnen. Das deutsche Äquivalent dazu ist der Otto Normalverbraucher.

Laobaixing können sehr gesprächig sein und geben unseren Kolleginnen und Kollegen des China Desks wertvolle Einblicke zu den Ansichten der chinesischen (Zivil-)Gesellschaft, die wir mit unseren Bloglesern teilen möchten.

Unser Kollege war Ende letzten Jahres in Shanghai, als er sich an einem Essenstand einen chinesischer Pfannkuchen (auf Chinesisch煎饼, Jianbing) bestellte. Die Verkäuferin bereitete das Essen zu und verpackte es in einen Einwegschale. Als sie nach einer Plastiktüte griff, um die Schale mit dem Essen abzupacken, teilte unser Kollege ihr mit, dass er keine Plastiktüte braucht, da er eine eigene Tasche dabeihatte. Die Verkäuferin lobte unseren Kollegen und sagte, dass er ja sehr nachhaltig sei und wie gut und wichtig es sei sich um die Umwelt zu kümmern.

Sie erzählte ihm, dass in ihrem Wohnviertel nun auch ein hochmodernes System für Mülltrennung eingeführt wurde und wie sie sich bemüht die Regeln zur Mülltrennung einzuhalten. Mittlerweile existieren in etwa 90% der Wohnviertel in chinesischen Städten Mülltrennungssysteme. Bis Ende 2025 soll die Flächenabdeckung 100% erreichen. Immer wieder gibt es seit der Einführung im Jahr 2019 politische Kampagnen, die Chinesen zur Mülltrennung erziehen und für die Regeln sensibilisieren sollen. Dass den Bürgern das auch gelingt, wird durch Überwachungssysteme mit Gesichtserkennung und Inspektoren an den Müllanlagen sichergestellt. Bei Nichtbefolgung der Regeln drohen Geldstrafen bis zu 5000 Yuan, wobei Bußgelder für Unternehmen bei unsachgemäßen Entsorgungen deutlich höher liegen können.

Alle Regeln einzuhalten ist allerdings gar nicht so einfach. Die Verkäuferin erklärte die verschiedenen Kübel, wonach der Müll getrennt werden soll. Für recyclebare Materialien wie Plastik, Papier, Metalle und Textilien, „trockene“ und „nasse“ Küchenabfälle, Restmüll und Sondermüll gibt es separate Behälter. Die Entsorgung eines schlecht gewordenen Pfirsichs kann schon für Einwohner zur Herausforderung werden, da der Pfirsichkern in den „trockenen“ Küchenabfall und das restliche Fruchtfleisch in den „nassen“ Küchenabfall sortiert werden muss. Um die zeitaufwendige Mülltrennung und Risiko eines Bußgeldes zu vermeiden, gibt es Dienstleistungen, womit Bürger in einer App professionelle „Mülltrenner“ zu sich nach Hause bestellen können, die die Entsorgungsarbeiten stellvertretend erledigen.

Unser Kollege kommentierte, dass in China trotz der Mülltrennung enorme Mengen, rund 80% des Verpackungsmülls, auf einer Müllverbrennungsdeponie landet. Die chinesische Regierung stellte 2020 einen nationalen Fünfjahresplan zur Reduzierung von Einwegplastikverpackungen auf. Bis Ende 2025 sollen chinesische Lieferdienste, die für einen großen Anteil des Verpackungsmülls verantwortlich sind, die Nutzung von Plastikverpackungen einschränken. Die Verkäuferin bejahte dies und sagte, dass China zunehmend nachhaltiger wird.

Kurz nachdem sie sich verabschiedeten sah unser Kollege noch im Vorbeigehen, wie die Verkäuferin die unbenutzte Tüte, die sie ursprünglich für sein Jianbing abgerissen hatte, in die Mülltonne warf.

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